Reise Tagebuch
Iran '07
“Reisen veredelt den Verstand und räumt gründlich mit unseren Vorurteilen auf."
Oscar Wilde
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07.04.07 Alexandroupolis – Istanbul
Die Sonne weckt uns früh, es wird im Laufe des Vormittags immer wärmer. Nach dem Frühstück machen wir uns startklar. Von der Frau an der Rezeption bekommen wir zwei bunt gefärbte Ostereier. Wir wünschen einander frohe Ostern.
Im turbulenten Alexandroupolis ergattern wir erfolgreich eine Flasche Gurgellösung für Rózsikas Halsschmerzen. Da scheint eine Erkältung im Anflug zu sein.
An die türkische Grenze gelangen wir um 11:05 Uhr bei Kilometer 2824 km.
Viele junge Soldaten tummeln sich und winken uns lächelnd zu.
Während des Wartens werden wir gleich von einem neugierigen alten Mann angesprochen. Er hat 35 Jahre in Würzburg gearbeitet und freut sich darüber mal wieder einen Smalltalk auf Deutsch halten zu können. Neugierig beäugt er unser Auto und wünscht uns noch eine gute Reise.
Rózsika braucht überraschenderweise doch ein Visum, aber das ist gegen die Vorlage von 20 Euro! schnell erledigt. Die Beamten sind äußerst freundlich und hilfsbereit, wenn auch ein wenig Chaos herrscht. Wir legen das Carnet de Passages vor, aber der Beamte will davon nichts wissen. Keine weiteren Fragen, ob wir etwas zu verzollen hätten und so rollen wir um 12:00 Uhr um einige Stempel reicher in die Türkei. Hier müssen wir jetzt unsere Uhren um eine Stunde vorstellen.
Viele Störche begrüßen uns. Die Straßen sind von wechselnder Qualität und meißt schnurgerade. Bald gewöhnen wir uns an den Anblick von Tracktoren, Pferdekutschen und Fahrrädern auf der Autobahn.
Als wir eine kurze Pause auf einem Parkplatz machen, entdecken wir einen LKW-Fahrer der an der Seite seines Fahrzeugs einen Grill installiert hat und sich dort gerade sein Mittagessen bereitet. So etwas fehlt uns noch!
Als wir das Marmarameer erreichen, sehen wir die Gegend kaum vor Nebel, der vom Meer herüberzieht. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn der komplette Küstestreifen ist zubetoniert. Hier steht Haus an Haus wie eine einzige Wand – kilometerlang. Lediglich ein militärisches Sperrgebiet gibt den Blick auf das Meer frei.
Der Reiseführer hat uns im Vorfeld über das Verkehrschaos in Istanbul aufgeklärt, aber die Wirklichkeit übertrifft unsere Vorstellungen. Das Treiben auf den Straßen ist wuselig und bunt. Ohne Hupen geht gar nichts. Egal zu welcher Situation – es wird einfach immer gehupt. Die Profis bringen es auf 10 Einzeltöne in der Sekunde – Respekt! Wir hätten vielleicht doch noch ein LKW-Pressluft-Horn Modell „Queen Mary II“ im Defender verbauen sollen um uns hier Gehör zu verschaffen.
Die Reaktion auf unser Gefährt ist schon erstaunlich. Einige Leute Grüßen freudig und winken. Hier wird getuschelt, da verrenkt man sich den Hals, man pfeift und nickt respektvoll. Aber wie auch immer; die Leute haben generell ein Lächeln im Gesicht, wenn sie unseren voll aufgebrezelnten Landrover sehen. So geht es uns auch ;-)
Wir checken gegen 18 Uhr in einem Hotel im Altstadtteil Sultanahmed ein – nicht ohne Hilfe mehrerer freundlicher, teilweise Englisch sprechender junger Männer. Auf dem Parkplatz wird das Auto gleich mal vom Parkplatzwächter untersucht, der neugierig die Türen aufreißt und seine Kumpels herbeiruft. Na das sind ja lustige Sitten.
Erst später entdecken wir die zum Hotel gehörige Dachterrasse mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Stadt und auf die benachbarte Blaue Moschee. Wir haben schon viele Bilder von dieser Moschee gesehen, aber in der Wirklichkeit ist sie viel größer und gewaltiger als es ein Foto darstellen kann. Was für ein Anblick!
Nach einer kurzer Erkundungstour in der Nähe, nehmen wir im Restaurant „Buhara 93“ das Abendessen zu uns. In den hinteren Reihen sitzen Einheimische, was schon einmal auf gute Qualität schließen lässt. Wir werden nicht enttäuscht. Zwischenzeitlich gesellen sich auch viele andere Reisende zu uns. Es ist Ostern und die Stadt ist voll mit Touristen aus allen Ländern.
Müde und zufrieden machen wir uns auf den Heimweg – vorbei an den ägyptischen Obelisken, die vor der Blauen Moschee stehen. Wir malen uns noch aus, was wir morgen alles entdecken werden und schlafen ein.
Unsere Route: