13.04.07 Eine Runde durch West-Kappadokien

 

Schorsch unterwegs nach IndienVor unserem Frühstück im sonnigen Garten verabschieden wir Schorsch, der heute mit seinem Liegerad weiter Richtung Osten weiterfährt. 9 Monate hat er sich für seine Tour frei genommen – und wir dachten schon, dass wir lange unterwegs sind. Vielleicht sehen wir ihn noch in Iran, was uns wirklich freuen würde. Wir müssen heute oft an ihn denken.

 

 

 

 

Für diejenigen, die es interessiert, was man so alles auf dem Fahrrad erlebt, gibt es hier einen Link zu seinem Reisebericht: www.gotzler.com

 

Im Verlauf des Vormittags wird es zunehmend diesig und kühl. Das stört uns jedoch nicht weiter; wollen wir doch gleich in die Unterwelt absteigen.

 

Unterwegs nach Derinkuyu fahren wir an mehreren Baustofffabriken vorbei. Der Rohstoff Bims wird direkt auf dem Gelände gewonnen und in Bausteinen umgewandelt. Bims ist dafür hervorragend geeignet, da es sehr leicht ist und durch seine Porosität perfekt isoliert. Die Schichtung von Bims ist hier bis zu 40 m hoch! Es gibt also genügend Rohstoff.

 

Unterirdische Stadt DerinkuyuIn Derinkuyu besichtigen wir Kappadokiens größte, achtstöckig in die Tiefe reichende unterirdische Stadt. Laut unserem Reiseführer werden in der Gegend rund 50 unterirdische Städte vermutet, von denen erst 36 entdeckt wurden.

Bereits vor 4.000 Jahren entstanden die ersten Siedlungen im Untergrund.

 

 

 

 

 

Infolge der Christenverfolgungen durch die Römer und zur Zeit der Arabereinfälle im 7 Jh. wurden sie, als Fluchtstädten der kappadokischen Christen, über mehrere Stockwerke ausgebaut. Beim geringsten Anzeichen einer Gefahr packten sie Familie, Proviant und verschwanden –teilweise bis zu 6 Monate - in die Unterwelt. Zugänglich waren diese riesigen Städte, in denen meist mehrere Tausend Menschen unterkamen, durch gut getarnte Höhleneingänge. Ein ausgeklügeltes Belüftungssystem sorgte für Frischluft. Es gab Lager für Wein, Öl, Wasser, Stallungen für Tiere und Kerker für Verbrecher.

 

Unterirdische Stadt DerinkuyuMan läuft durch ein unüberschaubares Labyrinth aus schmalen Gängen mit ausgetretenen Stufen, große Gewölbe, durch unzählige Löcher und Durchbrüche. Durch einige Gänge können wir nur im Hocken durchlaufen. Da Andreas noch ordentlich mit seiner Erkältung zu kämpfen hat, schnauft er wie eine Dampflokomotive.

 

 

 

 

 

 

Unterirdische Stadt DerinkuyuWir würden niemandem mit Neigungen zur Platzangst empfehlen, diese Städte zu besuchen – besonders in der Hochsaison, wenn man zwischen mehreren Touristengruppen in den niedrigen Gängen eingeklemmt ist. Den Aufstieg zurück an die Oberfläche meistern wir auf allen vieren, da die Decke so niedrig ist.

 

 

 

 

 

Durch riesige Kartoffeläcker fahren wir zu unserem nächsten Ziel. Die Türkei ist übrigens eines der wenigen Ländern auf der Welt, das ohne Agrarimporte auskommt und sich selbst mit Lebensmitteln versorgen kann.

 

DerNargölü

 

Der Nargölü ist ein Geothermalsee, der sich in einem Explosionskrater mit einem Durchmesser von ca. 1 km gebildet hat. Das Wasser hat eine grünliche Farbe und ist eingesäumt von einem Kranz aus Schilf. Ein wenig erinnert uns die Szenerie an den Laacher See in der Eifel, nur dass die Landschaft hier viel karger ist und die Steine mehr von ihrer Geschichte preisgeben. Die vielen Bimsablagerungen lassen auf eine stark explosive Eruptionstätigkeit schließen, die durch das Zusammentreffen von Grundwasser mit aufsteigendem Magma ausgelöst wurde. In der südlichen Kraterwand erkennen wir eine verlassen Höhlensiedlung, ein wirklich exklusives Plätzchen.

Bisher waren wir ganz alleine in dieser Traumkulisse, doch nun nähert sich ein Auto. Es ist der Bürgermeister des benachbarten Dorfes, der uns auf einen Tee eingeladen möchte, den wir leider dankend ablehnen müssen. Er hat vor 30 Jahren 24 Monate lang in Bischofsheim bei Frankfurt am Main gearbeitet, daher spricht er noch ein Paar Brocken Deutsch. Wir haben noch ein paar Kilometer zu fahren und die Zeit ist schon vorangeschritten.

 

ZieselWieder unterwegs fahren wir an Schildkröten, die gemütlich die Strasse überqueren, an neugierigen Zieseln (ähnlich einem Murmetier, nur viel kleiner) und eiligen Füchsen vorbei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ObsidianAndreas findet auf dem vulkanischen Gebiet mehrere großgewachsene Obsidian-Stücke, die wir für den Garten unserer Gastgeberin mitnehmen, die uns etliche Insider-Tipps für den heutigen Tag gegeben hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas fragt zwei kleine Jungs auf der Straße nach dem Weg. Als sie helfen können, sind sie sehr stolz und freuen sich lautstark. Alte Männer unterhalten sich in den Dörfern. Die jüngere Generation arbeitet fleißig auf den Feldern. Es ist Saat-Zeit und hier wird noch vieles in Handarbeit erledigt.

 

Hethitische Schriftzeichen3 km nordwestlich vom Dorf namens Agilli bewundern wir den inmitten eines Feldes stehenden, großen Basaltbocken mit 4000 Jahre alten Schriftzeichen aus der Hethiter-Ära. Im Hintergrund sehen wir die schneebedeckten Gipfel weiterer Vulkane.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hethitische SchriftzeichenVon diesem außergewöhnlichen Relikt steht nichts in unserem Reiseführer und daher gibt es hier auch keine Touristen. Auch gibt es keine Beschilderung, die hier her führt. Das Kartenmaterial der Gegend ist ungenau und so haben wir unseren Weg nur durch GPS und Bauchgefühl gefunden. Die meisten Dörfer hier in der Gegend haben keine Ortseingangsschilder und eine weitere Beschilderung fehlt gänzlich, wenn man die Hauptstrassen verlässt. Wir hatten echt Glück!

 

Als wir nach168 km wieder in Göreme ankommen, ist es schon recht kalt geworden – rund 13°C. Nachdem Andreas unsere Webseite aktualisiert hat, freuen wir uns schon auf Kemals neueste Gourmet-Kreation.

 

Unsere Route: