19.04.07 Bis ans Kaspische Meer

 

Check der FahrgestellnummerUnsere erste Nacht im Iran ist sehr kurz. In Deutschland ist es erst 5:30 Uhr hier haben wir 7:00 Uhr und der Wecker ist ungnädig. Die Sonne scheint und es sind um 14°C.

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Freund des Portiers Abuzar zur Verkehrspolizei um unser iranisches Kennzeichen zu beantragen. Die einheimische Hilfe können wir gut gebrauchen. Nur das Amt zu finden dauert eine gute Stunde im immer dichter werdenden Verkehr. Das Geschehen vor dem Gebäude wirkt sogar auf den zweiten Blick chaotisch. Überall stehen Autos, vor denen sich wie Pilze Menschengruppen bilden für die Überprüfung des Motors. Unser Motor wird auch kontrolliert und bekommen wir den ersten der vielen weiteren Stempel.


Das Gebäude der VerkehrspolizeiDie Papiere müssen in Farsi ausgefüllt werden. Zudem muss man zwischendurch in die Stadt in 2 verschiedenen aber bestimmten Banken und zu einem weiterem Amt um sich dort ein paar Stempel und Unterschriften abzuholen. Alleine das überqueren der Strasse zu Fuß ist ein Abenteuer und bisher das gefährlichste was man im Iran tun kann. Die Strecken zwischen den Banken werden mit Taxis bewältigt.

 

 

Exkurs: Linksabbiegen auf Iranisch

Jeder von uns kennt ja inzwischen das Linksabbiegen an einer Kreuzung auf "amerikanisch", was bedeutet, dass man voreinander links abbiegt, statt wie früher erst an seinem Gegenüber vorbeizufahren und dann dahinter abzubiegen. Die Iraner haben diese Methode perfektioniert. Als ich Andreas im Taxi hinten saß, hatte er Gelegenheit dies zu studieren. Man nähert sich also einer Kreuzung auf einer 6 spurigen Strasse. Etwa 80 m vor der Kreuzung, wechselt man in den Gegenverkehr. Dabei hupen nicht vergessen! Hat man es bis zur Kreuzung geschafft, so biegt man links in den Gegenverkehr ein - hupen! Auf den weiteren 50 m muss man jetzt nur noch auf eine der rechten Spuren kommen - geschafft!

 

Überall stehen lange Schlangen an den Schaltern, aber unser Begleiter drängelt sich, Andreas im Schlepptau, ständig nach vorne und erledigt alles in Rekordzeit. Als die Leute sich über den Drängler beschweren, zeigt dieser nur auf Andreas. Alle Leute drehen sich um und nicken verständnisvoll. Als Ausländer bekommt man hier ein Extrawurst gebraten. 2 Stunden lang wartet Rózsika auf die Jungs im Auto vor der Verkehrspolizei und richtet dabei zum 25. mal ihr Kopftuch. Nach dem alles erledigt ist wollen wir unseren Helfer bezahlen, der bisher alle Auslagen incl. Anmeldegebühren und Taxirechnugen aus eigener Tasche bezahlt hat. Aber Abuzar verweigert, mit dem Hinweis, dass er das gerne gemacht hat. Wir lassen uns darauf nicht ein und bezahlen den im Vorfeld vereinbarten Preis incl. aller Auslagen. Schließlich wollen wir, dass dem nächsten übervorderten Tourist hier auch noch geholfenl wird.

 

Unser KennzeichenAls wir endlich fertig sind, fahren wir Richtung Kaspisches Meer. Unterwegs hängen mehrere Plakate von Märtyrern am Straßenrand. Einige Geisterfahrer kommen uns auf der Straße entgegen, aber wir wundern uns nicht mehr wirklich.

 

 

 

 

 

 

 

 

UnfallÜber die Unfälle, die wir heute sehen, wundern wir uns erst recht nicht, höchstens dass wir erst jetzt welche sehen. So ein Unfall im Dorf hat auch ein wenig Volksfestcharakter. Da stehen dann gleich mal 100 Leute auf der Strasse.

 

 

 

 

 

 

 

Rózsika kann sich nach dem fünfzehnten Melonenstand nicht mehr beherrschen und wählt eine 6 kg schweres Exemplar aus. Diese findet ein schnelles aber schönes Ende!

Viele Fahrer waschen ihre Autos in Bächen oder großen Pfützen ab, die sich in den letzen Tagen durch den starken Regen gebildet haben..

 

Bauern holen Schwemmerde aus dem FlussBald fahren wir an riesigen Reisfeldern vorbei. Diese Gegend ist der „Reiskammer“ des Irans. Alles ist saftig grün. Hier wird überall Landwirtschaft betrieben. Die Straßen sind dreckig, weil es in den letzten Tagen viel geregnet hat. Die Flüsse und Bäche haben alle Hochwasser und sind schlammig braun.

 

 

 

 

 

In den Dörfern die wir durchfahren herrscht für europäische Augen Unordnung und Chaos. Viele Werkstätten sind am Straßenrand, deren Lager wie Schrottplätze wirken. Die Leute hingegen sind alle sauber und teilweise richtig chic gekleidet. Wir sehen nicht eine einzige Moschee während der gesamten Fahrt.

 

Seit  Beginn des 20 Jh. wird in dieser Region auch Tee angebaut. Der Tee (chai) ist das Hauptgetränk des Irans. Es war allerdings nicht immer so gewesen und daher heißen viele heutige Teehäuser witzigerweise immer noch „Kaffeehäuser“ (qahvekhane).

 

Kurz vor unserem Ziel sehen wir auch eine Mandarinen-Plantage neben der Straße.

 

Wir landen gegen 19 Uhr in einer Appartementanlage in Bandar Anzali direkt neben dem größten See der Welt, dem Kaspischen Meer. Die Lagune der Stadt wird von fast 150 Vogel-Arten bewohnt. Da das Wasser am Südufer der Meeres nie zufriert, überwintern hier auch viele Zugvögel aus Sibirien.

 

Überwintern werden wir hier nicht, aber die Anlage ist wirklich einladend und so verbringen wir hier nach 472 km Fahrt  einen ruhigen Abend.

 

 

Unsere Route: