Reise Tagebuch
Iran '07
“Reisen veredelt den Verstand und räumt gründlich mit unseren Vorurteilen auf."
Oscar Wilde
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21.04.07 Am Rande der Kavir-Wüste nach Damghan
Gegen 8 Uhr werden wir von der Sonne geweckt – und von den vorbeifahrenden Autos. Wenn wir schon mal an einer Tankstelle sind und es Diesel gibt, tanken wir auch und fahren Richtung Semnan. Tanken macht hier richtig Spaß. Für umgerechnet 1 Euro gibt es hier 60 Liter Diesel. Dafür steht man beim Tanken in einer großen Lache Diesel und muss aufpassen, dass man sich nicht in selbige legt, da der Boden glitschig ist.
Trotz der Höhe (2024 m) ist es 20°C! Wir sehen die ersten Lehmhäuser. Die Landschaft ist kahl und gebirgig, aber die Farbtöne sind wunderschön bunt: rot, gelb, grün und braun. Auf der Straße kommen wir sehr gut voran. Es ist kaum Verkehr unterwegs.
In Semnan halten wir vor einem Geschäft um Wasser zu kaufen. Bald kommt ein älterer Mann zu uns und fragt, ob er helfen kann. Er möchte wissen, wohin wir fahren und rät uns von der Fahrt durch die Wüste nach Yazd am Nachmittag ab. Es ist nicht ratsam die Strecke bei Dunkelheit zu fahren, wegen der Drogenschmuggler, die dort unterwegs sind. Er fragt, ob wir Karten haben und ob er uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigen kann. Er arbeitet im gegenüberliegendem Reisebüro. Wir wollen weiterfahren, aber Andreas muss erst mit ihm ins Büro gehen, wo er Prospekte bekommt. Wir verabschieden uns von dem freundlichen Mann und fahren, wie er uns vorgeschlagen hat, nach Damghan um dort die Nacht zu verbringen.
Unterwegs sehen wir sorgfältig gehegte und gepflegte Grünanlagen neben der Straße oder rund um Moscheen. Die Iraner lieben ihre Gärten über alles. Für sie bedeutet er das Paradies auf Erden. Auf der Hochebene zwischen Teheran und Shiraz, wo das kulturelle Herz Irans schlägt, sieht man nur Wüste oder Steppe. Die Städte liegen an Oasen, das Klima ist trocken-heiß, im Sommer brennt die Sonne gnadenlos. Daher ist das Wasser in der iranisch-islamischen Kultur ein seltenes und kostbares Gut. Das wunderbarste, was ein Wüstenbewohner sich erträumen kann, ist ein wasserdurchfluteter, Schatten spendender grüner Garten. Wir können das bald nachvollziehen, wenn wir aus der kargen Landschaft in eine begrünte Stadt einfahren.
Wir entdecken zwei nebeneinander liegende alte verlassene Karawansereien unweit der Straße. Hier verlief der alte Handelsweg der Seidenstrasse.
Als wir von der Besichtigung zurückkommen, steht ein Auto neben unserem. Zwei Männer machen gerade Picknick in einer schattigen Niesche des Gebäudes. So lernen wir den jungen Geologen Hesam und seinen Assistenten Masood kennen. Sie forschen im Auftrag des Staates zum Zweck der Erdbebenüberwachung in der Gegend. Sie laden uns zum Tee ein. Hesam hat 4 Jahre lang in Canada gelebt. Seine Frau arbeitet bei Siemens in Teheran als Elektroingenieurin. Wenn wir auf dem Rückweg an Teheran vorbeifahren, würde er sich über unseren Besuch sehr freuen. Nach Kontaktdatenaustausch fahren wir weiter.
Im Schatten ist es 24°C und die Sonne brennt vom Himmel. Rózsika lockert im Auto unauffällig das Kopftuch an ihrem Hals.
In Damaghan angekommen kaufen wir gleich die Spezialität der Stadt: Pistazien, die überall neben der Straße und in den Geschäften in riesigen Säcken angeboten werden.
Wir checken im Hotel Damghan Inn ein, welches zur staatlichen Kette von Touristenhotels gehört. Es ist im traditionellen Stil einer Karawanserei gebaut. Die Zimmer haben hohe Kuppeln und sind schön eingerichtet. Wir fühlen uns gleich wohl. Die junge Frau an der Rezeption ist sehr hilfsbereit und spricht sehr gutes Englisch.
Vor dem Abendessen wollen wir noch kurz in die Stadt. Dort werden wir vor jungen Mädels freudig willkommen geheißen, danach von zwei anderen jungen Studentinnen angesprochen.
Sima (studiert Englisch) und Marian (studiert Physik) fragen uns , ob sie uns ein Stück begleiten dürfen - „We love Tourists!” Gerne lassen wir uns von ihnen die alte Moschee und den Bazar zeigen. Als Rózsika lecker aussehende getrocknete Früchte kauft, ruft der eine Verkäufer von nebenan zu unserem: „Mach einen fairen Preis!“ Der Bazar ist fantastisch.
Ein uraltes Gebäude, in jeder Ecke Gewürze, Kräuter, Kleidung und vieles was uns völlig fremd ist. Nicht wie der große Bazar in Istanbul für die Touristen gemacht, sondern für die Einheimischen. Die Stimmung ist gut, die Leute sind neugierig und wenn sie sich trauen, sprechen sie Andreas an und fragen, woher wir kommen, wie es uns hier gefällt. Im Gespräch mit den Mädels, die perfekt Englisch sprechen, erfahren wir einiges übers Land und Leute. Wir sind beeindruckt. Zur guter Letzt lädt uns Sima morgen zu ihrer Familie zum Essen ein. Unsere erste Einladung!
Wir nehmen zusammen ein Taxi und fahren zurück zum Hotel, wo wir sie zum Essen einladen möchten. Der Taxifahrer, der übrigens hellblaue Augen hat, will kein Geld für die Fahrt haben! Wir bedanken uns herzlich für die überaus nette Geste.
Sima und ihre Freundin wollen aber nach Hause und schlagen unsere Einladung aus. Wir verabschieden uns bis morgen. Mittlerweile sind wir ganz schön hungrig und freuen uns über das Abendessen und auf den morgigen Tag. Wir haben das Gefühl erst jetzt zu verstehen, was wahre Gastfreundschaft bedeutet. Genau darüber haben wir so viel von diejenigen gehört, die bereits hier waren. Wir sind beeindruckt.
Die Müdigkeit überwältigt uns um 23 Uhr. Kein Wunder: heute haben wir viel erlebt und sind 274 km gefahren.
Unsere Route: