Reise Tagebuch
Iran '07
“Reisen veredelt den Verstand und räumt gründlich mit unseren Vorurteilen auf."
Oscar Wilde
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25.04.07 Unterwegs nach Shiraz
Gegen 7 Uhr werden wir wach und fühlen uns, als ob wir kaum geschlafen hätten. Die Hitze macht uns zu schaffen. Aber nach dem leckeren Frühstück geht es uns gleich besser und wir packen unsere Sachen. Es ist um die 30°C und die Luft etwas diesig.
Wir bringen unsere Taschen ins Auto und sehen, dass sich mehre Leute mit Ihren Namen im Staub auf unserem Auto verewigt haben. Irgendjemand hat als Souvenier unsere Radioantenne abgebrochen und mitgenommen. Ärgerlich, aber das hätte auch daheim passieren können. Wir hätten sie einfach einschieben sollen, was wir jetzt nicht mehr brauchen... Dann hören wir eben kein iranisches Radio mehr - bäääh!
Um halb 10 Uhr fahren wir diesmal mit dem Auto zum Tempel der Zarathustrier und versuchen erneut unser Glück. Wir entdecken einen unauffälligen Seiteneingang, nachdem wir um das ganze Anlagekomplex rumgefahren sind.
Im Innenhof spürt man den dezenten Duft der unzähligen Rosen, die in voller Blüte stehen. Im Gebäude brennt in einem speziellen Raum ein Feuer, dass seit 700 Jahren ohne Unterbrechung am Lodern gehalten wird. Ein spezieller Priester kümmert sich um diese Aufgabe.
Wir gehen gerade rechtzeitig, als eine Touristengruppe einströmt.
Unterwegs müssen wir wieder viel Wasser trinken. Die Wasserflasche, die wir aus dem Kühlschrank ziehen, beschlägt noch nicht einmal an der heißen, trockenen Luft. Wir biegen von der Straße ab und nehmen ein wenig Wüste unter die Räder. Hier gibt es wirklich nichts. Die Landschaft ist so karg und trocken, dass es in den Augen schmerzt. Die Sonne brennt unerbittlich.
Wir halten kurz für ein Foto an und haben noch die Tür nicht ganz auf, da tummeln sich schon hundert Fliegen im Auto. Es gibt also doch etwas Leben in der Wüste. Wo die Fliegen wohl herkommen? Egal, sie wollen auf jeden Fall mitreisen und so haben wir die nächsten 2 Stunden jede Menge Spaß, bis wir die Viecher wieder los sind.
Wer sich fragt, warum es in Deutschland keine alten LKWs mehr auf den Straßen zu sehen gibt, dem kann geholfen werden. Von 10 Lkws, die hier auf den Straßen fahren, sind 7 alte Mercedes Rundhauber. Der Rest sind alte Volvos oder amerikanische Mack Trucks, selten auch mal ein neuer LKW. Aber alle haben eines gemeinsam. Da der Sprit hier nichts kostet, lohnt es sich auch nicht den Motor gescheit einzustellen. Daher werfen sie eine gigantische Rußwolke aus dem Auspuff.
Wir bekommen so langsam ein übles Kratzen im Hals, welches durch Husten begleitet wird. Besonders an Steigungen macht es keinen Spaß den LKW s hinterher zu fahren.
Nach einer langen und anstrengenden Fahrt kommen wir nach 445 km in Shiraz an. Es ist 16:00 Uhr und wir steuern auf das Hotel Eram zum.
Vor dem Hotel parkt Andreas das Auto und nimmt mit schwungvollen Griff den Kamerarucksack aus dem Landrover. Worauf das Teleobjektiv im hohen Bogen aus der Tasche fliegt und eineinhalb Meter weiter hart auf den Boden aufschlägt. Mit ungläubigen Blick was das eben für ein Geräusch war, dreht sich Andreas um und sieht das Objektiv über die Strasse rollen. Das darf nicht wahr sein. Wir sammeln das Teil ein und checken erst einmal ein. Aufregen kann man sich auch noch später – auch wenn es verdammt schwer fällt!
Das Foyer ist voll mit Arabern, die Kaftane und die klassische Kopfbedeckungen, die Kefije tragen. Dazu setzen sie noch eine Spiegelbrille auf. Wir merken erneut, dass wir weit weg von zuhause sind.
Im Zimmer angekommen, holt Andreas den Patient aus dem Kamerarucksack. Von außen sieht das Objektiv noch ganz brauchbar aus, lediglich die beiden Deckel haben eine Macke abbekommen, doch ein rasselndes Geräusch lässt auf nichts Gutes schließen. Nachdem der Deckel ab ist, kommt ein gesplitterter UV-Filter zum Vorschein. Abdrehen lässt sich hier nichts mehr. Das Gewinde ist völlig hinüber - also Gerbertool heraus und operieren. Nach der Reinigung scheint das gute Stück noch einwandfrei zu funktionieren, doch das werden wir erst in der Zukunft sehen, ob die Bildqualität nicht doch gelitten hat. Was für ein Mist!
Wir verlassen das Hotel und schlendern auf der Prachtstraße in Shiraz, dem Bolvar-e Karim Khan Zand. Dort besuchen wir ein Internetcafe und essen nebenan eine Pizza. In einem Buchladen sehen wir eine interessante Zusammenstellung von Biografien "beliebter" Politiker.
Während des Essens werden wir mehrmals von vorbeilaufenden Passanten begrüßt. Auf dem Rückweg zum Hotel spricht uns ein junger Iraner in gutem Deutsch an. Er bemüht sich als Reiseführer, aber da es im Land so wenig Touristen gibt, hat er nicht viele Arbeit. Er fragt, ob er uns morgen die Sehenswürdigkeiten zeigen kann. Da er einen sehr netten Eindruck macht, verabreden wir uns für morgen früh und gehen zurück ins Hotel.
Unsere Route: