Reise Tagebuch
Iran '07
“Reisen veredelt den Verstand und räumt gründlich mit unseren Vorurteilen auf."
Oscar Wilde
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28.04.07 Esfahan
Wir wachen in einer der ältesten und angeblich schönsten Stadt Irans auf. „Esfahan – nesf-e jahan“ (Isfahan – das ist die halbe Welt), sagt man hier. Davon wollen wir uns nach dem Frühstück selbst überzeugen.
Die Straßen sind belebt, die Verkäufer warten auf Kundschaft und wir verstehen kaum unser eigenes Wort im Straßenlärm der vielen Motorrädern, die auch auf dem Bürgersteig neben uns vorbeisausen. Wir irren uns durch die engen Gassen und breiten Straßen, finden allerdings 2 Stunden lang keine im Reiseführer angegebene Sehenswürdigkeit, „nur“ ein Mausoleum, das Harun al-Velayat. Alle Schilder sind auf Farsi und unsere Karte taugt nicht viel.
Noch gerade rechtzeitig vor der Verzweiflung entdecken wir den Großen Platz, den Meydan-e Imam. Dort werden wir von Iraj, einem 48-jährigen Iraner angesprochen, der schon in 24 Ländern, unter anderem auch in Deutschland und in Ungarn war. Nach seinem Maschienenbau-Studium hat er das erste Internetcafe in Esfahan eröffnet, dann ist er in das Teppich-Geschäft eingestiegen. Momenetan macht er Führungen für Touristen und er liebt seine Arbeit.
Je mehr wir uns mit ihm unterhalten, desto mehr erfahren wir über seine positive Lebenseinstellung und Ansichten. Als wir ihn fragen, ob er uns die Stadt zeigen könnte, fängt er gleich mit dem Platz an. Der Meydan-e Imam soll der zweitgrößte Platz der Welt sein (524x160m).
Wir besichtigen die beeindruckende Masdjed-e Shekh Lotfollah, die vor 406 Jahren gebaut wurde. Während der 21 Jahre langen Bauphase sind 80 Menschen durch Unfälle ums Leben gekommen. Sie diente als Privatmoschee des Herrschers und seiner Familie. Iraj erklärt uns die islamischen Motive und die Bedeutung der Schriften an der Wand.
7 Farben wurden verwendet, weil das Auge die Komposition aus 7 Farben als besonders harmonisch wahrnimmt. Oben auf dem Kuppel sieht man durch Lichtrefflektionen einen Pfau, dessen Kopf sich zu drehen scheint, wenn man die Position wechselt.
Anschließend laufen wir durch den Bazar, wo uns Iraj in verschiedene Geschäfte führt. Dort können wir den Handwerkern bei der Arbeit zuschauen. Von Textilarbeiten über Keramikhandwerk, bis hin zu aufwändigen Einlegearbeiten wird hier alles mit der Hand gefertigt. Die Waren haben ihren Preis, der allerdings gerechtfertigt ist. Es ist einfach faszinierend, dies alles sehen zu dürfen.
Wir besuchen ein traditionelles Teehaus und probieren verschiedene lokale Spezialitäten, wie "süße Elefantenohren" und salzigen Joghurt mit Minze. Die Mischung aus süß und sauer ist hier sehr beliebt.
Mit dem Taxi fahren wir in das Teppich-Geschäft von Irajs Freund, wo wir uns feine handgemachte Seidenteppiche der Nomaden anschauen können. Während wir unseren Tee trinken, zeigt er uns viele Ansichtskarten aus aller Welt, die er von den Touristen erhalten hat, die er durch die Stadt, bzw. zu den Nomaden geführt hat. Er stammt selbst aus einer Nomaden-Familie. Die japanische und die norwegische Zeitschriften, die über ihn und seine Touren berichteten, zeigt er uns besonders stolz.
Anschließend zaubert er ein köstliches Mittagessen auf den Boden.
Von hier aus fahren wir mit seinem Auto zur Vank-Kathedrale im Armenierviertel Jolfa. Wir schauen uns die wunderschön farbfrohe Erlöserkirche an. Die Wandgemälde mit den Szenen aus dem Neuen Testament und der Kirchengeschichte der Armenier sind in einem wunderbaren Zustand. Die Farben leuchten, das es eine Pracht ist. Solch wundervolle Wandgemälde haben wir noch nie zu Gesicht bekommen. Hier dürfen wir leider nicht fotografieren – ein Jammer! Das benachbarte zweistöckige Museum ist sehr interessant und zeigt Handschriften, Trachten, Bücher, Gemälde und Fliesen aus den vergangenen Jahrhunderten.
Anschließend fahren wir zum Chehel-Sotun-Palast. Zur Anlage gehört ein wunderschöner Garten mit einem lang gezogenen Wasserbecken, in dem sich beim schönen Wetter die 20 hölzernen Säulen des Palastes widerspiegeln. Deswegen heißt er auch „der Palast der 40 Säulen“.
Das Gebäude ist von innen als Museum eingerichtet. Besonders die Wandmalereien beeindrucken uns.
Vor dem Wasserbecken spielt ein Mann traditionelle iranische Musik auf einer Setar. Wir bekommen das Instrument freundlicherweise auch gleich erklärt.
Iraj fährt uns noch bis zum Hotel, wo wir uns von ihm müde, aber mit vielen schönen Eindrücken reicher verabschieden.
Nach einer kurzer Verschnaufpause gehen wir ein letztes Mal in die Stadt. Es ist mittlerweile dunkel und wir wollen den Großen Platz beleuchtet sehen. Den Weg zu finden ist gar nicht so einfach. Aber wir haben wieder Glück und bekommen Hilfe: Mohamed, ein 21jähriger Luftfahrttechnik-Student will uns begleiten. Er ist froh, als wir freudig einwilligen.
Mit trauriger Miene erzählt er uns, dass er schon mehrfach Touristen angesprochen hat, aber diese schienen sich alle vor ihm zu fürchten. Er sagt wörtlich, dass er denkt, sie hätten Angst vor seinem Gesicht. Also liebe zukünftige Iran-Reisende: iranische Studenten fressen keine Touristen und sie sind wirklich nett!!! Er unterhält sich fast 3 Stunden lang mit Andreas (Rózsika wird respektvoll nicht angesprochen, was wirklich nicht böse gemeint ist, sondern genau das Gegenteil bedeutet). Es ist ein sehr interessantes Gespräch. Wir lernen den Iran aus seiner Sicht kennen und erfahren viel über die Probleme der jungen Leute im Iran. Mohamed ist sehr wissbegierig etwas über Deutschland zu erfahren. Er begleitet uns sogar wieder zurück zum Hotel! Wenn wir es gewollt hätten, so hätte er uns noch bis Tabriz begeleitet um für uns zu dolmetschen. Dafür wollte er sein Ersparnisse opfern. Wir sind gerührt, doch müssen leider ablehnen. Wir sind sehr froh ihn kennen gelernt zu haben.
Mittlerweile spüren wir vom viel Laufen unsere Beine kaum und sind angenehm müde.
Rózsika putzt noch die duftende Honigmelone weg, damit sie morgen nicht im Auto rumstehen muss, dann geht´s ins Bett.