03.05.07 Am Mittelmeer

 

Um 7 Uhr werden wir wach und machen uns startklar. Andreas schaut beim Tankwart auf einen Tee und Stückchen vorbei. Eine Stunde später machen wir uns auf den Weg. Es ist bewölkt und um die 20°C.

 

Wir fahren am Nordrand der mesopotamischen Tiefebene Richtung Mittelmeer. Hier wird u.a. Baumwolle angebaut. Wir wundern uns nicht wirklich, als uns aus der Heckscheibe eines PKW drei Schafe entgegen schauen. Wir denken, sie haben es immer noch besser, als die Pferde im Iran, die wir im Regen zu dritt quer auf der Ladefläche eines Pickups gesehen haben. Mit einer Plane bedeckt und einer Tüte über dem Kopf, der rechts über die Pritsche ragte.

 

Überladener LKWWieder mal liegt ein LKW auf der Seite, nachdem er die Leitplanke einer Autobahnauffahrt durchbrochen hat. Die Fahrzeuge sind auch hier hoffnungslos überladen und die Fahrer heizen, was das kaputte Material noch hergibt. Personenschaden gab es jedenfalls keinen, denn der Fahrer kniet mit dem Handy am Ohr daneben und meldete seinem Chef wohl den defekten Außenspiegel, auf dem der Lastwagen liegt. Der nächste Unfall lässt nicht lange auf sich warten. Auch hier wieder ein umgekippter LKW.

 

Die Erde ist rötlich-braun und die ersten Palmen, Oliven- und Feigenplantagen kommen in Sicht. Vom Müll ist nichts zu sehen, alles sieht ordentlich und sauber aus. Die Autobahn ist ein Segen, wir kommen sehr gut voran. Die Vegetation ist allmählich ganz anders, als gestern. Die Wiesen blühen; Zypressen, Agaven, Kakteen, Gummi- und Eukalyptusbäume säumen den Weg. Die Orangen- und Zitronenbäume haben schwer unter der Last der Früchte zu tragen. Die Luft riecht süß von blühenden Ginster und Oleander. Herrlich!! Gestern haben wir noch gefroren, sind durch Schnee gelaufen und jetzt haben wir sonnige 34°C!

 

Was leckeres zu FutternNach 11.169 km erreichen wir um 14:30 bei Mersin das Mittelmeer! Im Hafen von Tasucu kaufen wir die Tickets für die Fähre nach Zypern. Es geht um Mitternacht los, wir haben also noch reichlich Zeit um uns umzuschauen und etwas zu futtern. Wir laufen am Meer entlang und betrachten das Geschehen. Der Hafen ist überschaubar und anscheinend darauf eingerichtet den Reisenden die Wartezeit für die Fähre angenehm zu gestalten. In einem sympathischen Fischrestaurant lassen wir uns es gut gehen, dann schlendern wir mit einem Eis in der Hand zum Auto zurück.

 

Während wir warten, lernen wir einen 21jährigen türkischen Soldaten kennen, der noch 9 Monate lang Dienst auf Zypern hat. Er kann ein wenig Deutsch und erzählt uns davon, wie gut es ihm in Deutschland gefallen hat, als er seine Tante in Hamburg besucht hat. Er will unbedingt zurück und leidet unter der Härte der Militärausbildung.

 

Hier hätten die Tester vom ADAC bestimmt viel SpaßDanach plaudern wir mit einem deutschen Ehepaar, das auch nach Zypern fährt. So verbringen wir die Zeit, bis die Formalitäten um 21:45 Uhr beginnen. Andreas rennt von einem Schalter zum nächsten, hier eine Kontrolle, dort ein Stempel, dann wieder zurück und noch eine Gebühr bezahlen. Zu guter letzt noch die Unterschrift vom Chef, der gelangweilt den Stempel in den Pass drückt, darauf unterschreibt und den Ausweis zurückgibt. Der letzte Kontrolleur vor der Fähre braucht ca. 2 Minuten um die richtigen Stempel im Geschmiere des Reisepasses ausfindig zu machen. Dann können wir an Bord. Unser Landrover wird mit einem großen Aufzug in den Bauch der Fähre hinabgelassen. Dieser Raum ist voller Abgase und so gut wie sauerstofffrei. Unsere Träume einer gemütlichen Deckpassage unter dem Sternenhimmel des östlichen Mittelmeeres verfliegen augenblicklich.

 

Die Fähre legt mit 2 Stunden Verspätung ab, weil man viel Zeit braucht um die LKWs zentimetergenau auf dem Oberdeck einzuweisen und zu vertäuen. Teilweise ist gerade ein handbreit Platz zwischen den Fahrzeugen.

Dann beginnt eine wirklich ungemütliche Nacht. Im Passagierraum versuchen wir bei zwei brüllend lauten Fernsehern (in dem einen läuft Troja, im anderen irgendeine fürchterliche türkische Soap, in der sich die Leute pausenlos anschreien) ein wenig die Augen zuzumachen. Der wirkliche Brüller sind allerdings zwei automatische Raumluftverbesserer, die alle 10 Minuten eine Ladung Riechefein über die Passagier versprühen. Uns wird speiübel von dem Zeug. Wie toll währe stattdessen ein offenes Fenster.

 

Was leckeres zu FutternAndreas hat eine Sitzreihe gefunden, wo man schon versucht hat die Lehnen hochzubiegen, so kann er wenigstens auch auf der Seite liegen. Rózsika schiebt sich auf eine Sitzreihe unter mehrere Lehnen. Wenigstens können wir uns ausstrecken. Irgendwann werden die Fernseher leiser und die Schnarcher lauter. Letztlich schlummern wir doch für ein paar Stündchen ein.

 

 

Das Meer ist zum Glück sehr ruhig und das Schiff schwankt kaum. Wir können kaum den Morgen erwarten und freuen uns schon auf die Ankunft in Zypern.

 

Der Tacho meldet 587 gefahrene Kilometer.

 

Unsere Route: