10.05.07 Karpaz Halbinsel

 

Gegen 7 Uhr stehen wir auf und gehen frühstücken. Andreas isst, wie in den letzten Tagen, nur ein Paar Häppchen. Er fühlt sich immer noch angeschlagen und schwach, aber es geht ihm schon etwas besser.

Heute verlassen wir das Hotel und wollen zum äußersten östlichsten Zipfel der Insel – der Karpaz-Halbinsel. Es regnet ab und zu, ansonsten ist es schön warm bei 25°C. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch.

 

Blühender KaktusAndreas steuert den Hafen von Girne an und reserviert für uns ein Plätzchen auf der Fähre für die Rückfahrt am Montag. Vor dem Hafenbüro steht ein herrlicher Kaktus-Busch in voller Blüte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alagadi StrandWir halten am Alagadi Strand ungefähr 12 km östlich von Girne. Der Starnd ist ein Naturreservat, wo Wasserschildkröten ihre Eier abzulegen pflegen. Das Muttertier legt 75-100 Eier in einen tiefen engen Schlacht und deckt das Gelege mit Sand ab. Nach zwei bis drei Jahren kehrt die Schildkröte wieder an den gleichen Strandabschnitt zurück.

 

 

 

 

Obwohl der das Meer wirklich einladend ausschaut und der Strand zum verweilen einlädt, ist es uns nicht nach Baden zu mute. Da könnte das Wasser durchaus noch ein paar Grad wärmer werden.

 

Während unseres Spaziergangs fällt uns auf, das jemand um unseren Landrover schleicht. Er dreht nun schon die dritte Runde. Als wir zum Auto zurückkehren werden wir gleich von ihm angesprochen. Es ist Jeffrey aus London, der mit seiner Familie hier Urlaub macht. Ursprünglich kommen sie alle aus Malaysia. Sein Traum ist mit einem Landrover irgendwann einmal die gesamte Strecke von London wieder in die Heimat zu fahren. Wir geben also eine Führung rund um das Auto, gefolgt von einer Begehung des Innenraums. Im Gespräch zeigt sich, dass Jeffrey vor Jahren auch einmal den Iran bereist hat und freut sich zu hören, dass es dort nicht ganz so zugeht, wie es uns die Medien vorspielen.

 

Alagadi StrandNach einer herzlichen Verabschiedung besteigen wir wieder unser Gefährt und fahren weiter Richtung Osten.

Links und rechts der Strasse tummeln sich unzählige riesige Werbeplakaten verschiedener Bauunternehmen. Die ganze Gegend wird langsam verkauft und zugebaut. Wie Pilze sprießen riesige Siedlungen von Bungalows und Apartmenthäusern in jeder möglichen Bauphase aus dem Boden. Ein Jammer was die Landschaft hier durch die Menschenhand ertragen muss. Die Preise werden ausschließlich in britischen Pfund angegeben. Es handelt sich um schnell, oft auf Sandboden errichtete Gebäude. Auf Langlebigkeit wird allem Anschein nach nicht geachtet. Hier zählt das schnelle Geld.

 

Immobilien Makler in GirneDie einzigen die hier profitieren sind die Grundstücksmakler, die man alle an ihren großen Autos erkennt. Sehr beliebt sind Hummer oder große Mercedes. Den Käufer erwartet hingegen ein ungewisses Schicksal, denn die Besitzverhältnisse des Bodens können sich nach einer Wiedervereinigung Zyperns noch einmal ändern, worauf dann noch Entschädigungszahlungen ins Haus stehen könnten.

 

 

Zudem werden viele neue Straßen gebaut, weil die alten verstopft sind. Der Verkehr hat sich in den letzten Jahren vervielfacht.

 

Je mehr wir uns von Girne entfernen, umso weniger Baustellen verschandeln die Gegend. Man sieht wieder mehr von der schönen Landschaft mit den niedrigen Latschenkiefern und den dunkelgrünen Büschen. Die Luft riecht würzig nach Kräutern.

 

Blick von der Burg KantaraWir verlassen die Küstenstraße und fahren hinauf in die Berge. Nach kurzer Zeit erreichen wir die Burg Kantara. Der Himmel ist dunkel und die Wolken werden vom Wind die Berge hochgetrieben. Schließlich stehen in auch im dichten Nebel einer Wolke. Es beginnt zu regnen und wir beobachten aus dem Auto heraus, wie Wolkenfetzen an uns vorbeiwehen. Als der Regen schwächer wird, verlassen wir das Auto.

 

 

 

Eine Gruppe deutscher Wandertouristen kommt uns entgegen. Ungläubig schauen sie auf unser Nummernschild. Der zypriotischer Tourguide spricht uns an und es entwickelt sich ein interessantes Gespräch über Land und Leute. Er spricht ein sehr gutes Deutsch, was uns die Unterhaltung vereinfacht. Verärgert aber hilflos erzählt er über den Ausverkauf des Landes an die Ausländer. Wie kurzsichtig viele Leute sich vom schnellen Geld locken lassen und ihre Grundstücke verkaufen. Was letztendlich bleibt ist ein völlig zersiedeltes Land und eine zerschundene Natur. Ganze Berge werden gesprengt um Bausteine für die Siedlungen heranzuschaffen. Die Ausländer, die sich letztendlich in Zypern niederlassen, tragen ihr Geld dann auch noch in ausländische Supermarktketten und versorgen sich selbst. So wird am Ende wenig für die Bevölkerung übrig bleiben.


HDR Aufnahme der Burg KantaraWir verabschieden uns und steigen wir auf, um die ca. 800 Jahre alten Ruinen aus byzantinischer Zeit zu erkunden. Der Bau auf dem massigen Felsfundament erhebt sich in 630 m Höhe. Die Burg war der östliche Punkt des mittelalterlichen Verteidigungssystems der Insel gewesen. Die anderen Festungen waren die Bergburgen Buffavento, Sankt Hilarion und die städtischen Festungen von Kyrenia (Girne) und Nicosia.

 

 

 

HDR Aufnahme der Burg KantaraDer erste Bericht über die Existenz der Burganlage gibt es von Richard Löwenherz. Von oben aus hat man einen einmaligen Blick auf die enger werdende Landzunge der Insel. Ein erneute Regenschauer treibt uns wieder herunter zum Auto.

 

 

 

 

 

 

 

Über lange Schotterwege fahren wir hinab auf die Karpaz-Halbinsel, die wie der Stachel eines Skorpions über hundert Kilometer Richtung Osten ins Meer hinausragt.

 

Bleigraue WolkenbänderAls wir wieder an der Küste entlang fahren, werden wir auf eine riesige längliche dunkle Wolke, die sehr tief über dem Meer hängt, aufmerksam. Wir halten an um uns das Phänomen näher anzusehen, da bricht auch schon ein Sturm los und die tief hängende bleigraue Wolkenwand zieht rasend schnell über unsere Köpfe hinweg. Die Temperatur sinkt schlagartig. Ein beeindruckendes Schauspiel!

 

 

 

 

Weiter geht die Fahrt vorbei an Getreidefeldern und Olivenhainen, bis wir Dipkarpaz erreichen. In diesem Ort leben noch griechische mit türkischen Zyprioten zusammen. Ein paar Kilometer hinter Dipkapas verlassen wir die Straße und fahren zum Golden Beach, dem wohl schönsten Strand Nord-Zyperns.Auch hier ging die Zeit nicht spurlos an der Landschaft vorbei. War hier vor 20 Jahren noch völlig Einsamkeit, so gibt es jetzt ein paar einfache Übernachtungsmöglichkeiten in Strandnähe. Wir parken unseren Landrover im Hasan’s Turtle Beach. Hasan, der Besitzer, betreibt hier seit einiger Zeit ein kleines Restaurant und ein paar Holzhütten, in denen man übernachten kann. Hasan spricht gut Englisch und betreut außer den Touristen auch noch die Schildkröten in der Laichsaison.

 

Golden BeachEs ist kurz vor 18 Uhr als wir den Herd anwerfen und uns ein paar Nudeln kochen. Bevor es dunkel wird schlendern wir noch ein wenig am traumhaften Strand entlang. 4 Kilometer feinsten hellen Sandstrand und türkises Meer haben wir an diesem Abend ganz für uns alleine. Andreas kann die Landschaft leider nicht so richtig genießen, denn er wird schon wieder von starken Bauchschmerzen geplagt und will nie wieder etwas essen.

 

 

Heute haben wir 169 km hinter uns gebracht, als wir es uns im Dachgeschoss unseres Landrovers für die Nacht gemütlich machen.


 

Unsere Route: