Reise Tagebuch
Iran '07
“Reisen veredelt den Verstand und räumt gründlich mit unseren Vorurteilen auf."
Oscar Wilde
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11.05.07 Zafer Burnu
Es stürmt und regnet die ganze Nacht. Als der Regen nachlässt, stehen wir gegen 10 Uhr auf. Nach einem bescheidenen Frühstück fahren wir zum St. Andreas Kloster. In der Wallfahrtskirche treffen wir eine alte griechische Frau und einen Priester. Die ganze Anlage macht einen eher traurigen und verwahrlosten Eindruck.
Laut der Überliferung ist hier der Apostel Andreas auf der Rückreise von einer Missionarsexpedition angelandet um die Frischwasservorräte aufzufüllen. Diese heute heilige Quelle sprudelt noch immer im hinteren Bereich der Kirche.
Hinter dem Gebäude sehen wir ca. 30 Fischtrawler vor Anker, die sich vor dem Sturm hierhin gerettet haben. Man hat das Gefühl trockenen Fußes über das Meer gehen zu können, so viele Schiffe liegen da draußen. Erst jetzt dämmert uns, dass ein starker Sturm sich nähert. Weiße Schaumkronen überziehen das Meer und der Wind ist sehr stark. Es ist um die 21°C.
Am Zafer Burnu, dem Kap, angelangt ist es so stürmisch, dass wir die Autotür kaum öffnen können. Von der Spitze des Zipfels sieht man zwei kleine unbewohnte Insel und bis Syrien sind es nur noch 100 km. Der Himmel verdunkelt sich und es schüttet wie aus Eimern. Wir haben das Gefühl, dass es schon seit Wochen regnet und dass es nie aufhören wird. Eine richtige Weltuntergang-Stimmung schwebt in der Luft.
Wir fahren ein Stück durch schlammige Pisten im „Wildeselland“. Hier leben viele Wildesel, deren domestizierte Vorfahren sich während des Kriegswirren der Invasion 1974 aus dem Staub gemacht haben. Die Vegetation ist interessant: es gibt nur sehr niedrige Bäume, ansonsten Büsche, hinter denen immer wieder mal ein Paar Eselsohren hervorlugen. Beim genaueren Hinsehen entdeckt man auch den Rest.
Die Erde hat eine intensive rote Farbe. Unser Auto bekommt bald auch eine rote Schlammpackung.
Die Konsistenz des Schlammes ändert sich, es wird schmierig wie Seife als wir mit dem Landrover auf einem Feldweg einen steilen Hügel hinunterrutschen. Andreas steigt kurz aus um sich die Situation genauer anzusehen. Da wir auf der anderen Seite einen steilen Pfad wieder hinauf müssen beschließen wir zurückzufahren. Nach wenigen Schritten klebt der Schlamm bereits 5 cm dick unter den Schuhen. Ob wir es überhaupt noch im Rückwärtsgang den Hügel hinauf schaffen? Aber der Landrover wühlt sich schlammspritzend ganz brav wieder den Berg hinauf. So muss es sein! Ohne unsere MT Reifen hätten wir an dieser Stelle ganz schön alt ausgesehen.
Es regnet weiter, aber was da vom Himmel fällt ist kein sauberes Regenwasser, sondern eine richtige Schlammbrühe. Unsere Klamotten sehen braun gesprenkelt aus. Später finden wir heraus, dass es Wüstenstaub ist, der den Regen einfärbt.
Die Lust auf Camping ist uns für heute vergangen und so suchen wir im Unwetter eine trockene Bleibe für die Nacht.
Den Weg ins Hotel Blue See finden sicherlich nur verzweifelte Reisende, wie wir. Mitten im Nirgendwo steht an der Küste ein einsames, altes Hotel. Die Atmosphäre und die Einrichtung sind total abstrus, wir haben das Gefühl in der Kulisse eines schlechten Horrorfilms gelandet zu sein. Da hängen Bilder von Schwarzwaldkulissen mit röhrenden Hirschen an der Wand. Kleine hässliche Tonfiguren stehen überall herum. Durch den Spalt unter einer Tür sehen wir einen kleinen Schatten auf- und ablaufen. Es öffnet sich eine Tür und eine total aufgebrezelte Frau tritt heraus und läuft den Gang hinab.

Aber für eine Nacht reicht es, besonders weil es draußen schüttet und blitzt, als ob die Welt untergeht.
Heute sind wir 70 km auf der Karpaz-Halbinsel umhergeirrt.
Unsere Route: